warum vintage mich nervt | Hass & Liebe

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die Wahrheit über vintage

und warum ich es hasse.

 

Vor drei Jahren fing alles mit einer alten Levi’s Jeansjacke von meiner Tante an. Ich habe sie bei meiner Oma gefunden und mich Hals über Kopf in dieses oversized und bereits super ausgewaschenes Ding verliebt. Keine Chance, so ein Stück noch in irgendeinem Geschäft zu finden. Diese Jacke hat was erlebt.

 

Noch nie war ich über ein Kleidungsstück so glücklich gewesen.

Nicht nur die Jacke selbst, es war eher die „Aura“ (will hier nicht toooo spirituell werden haha) um sie herum. Ich konnte mir meine Tante bildlich vorstellen, in den frühen 90s in L.A., durch Venice schlendernd. Ich weiß nicht, irgendwie gab es mir die Jacke immer diesen Vibe wenn ich sie trug. Das war der Beginn meiner vintage Liebe.

Kennt ihr dieses Phänomen, wenn man irgendetwas anfängt oder neu entdeckt und auf einmal sieht man es überall und hört aus jeder Ecke davon? Ich habe das ganze Vintage-Zeug plötzlich buchstäblich „angezogen“. Ich hörte von Flohmärkten, meine andere Oma hatte zufällig auch noch schöne Stücke für mich, ich hab sogar eine echt geile und sehr alte Kommode beim Gebrauchthändler gefunden. Mittlerweile besteht ca. 70% meiner Kleidung aus vintage und mein Zimmer ebenso. 🙂

 

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meine absolute lieblings jeansjacke, vintage kleid von meiner oma aus den 60s, standard Stan Smiths von Adidas, beige retro bauchtasche von meiner mom

 

Und es gibt sooo viele Gründe, warum mich vintage glücklich gemacht hat und es immer noch macht…

Da ist dieses „Kleidung mit Geschichte“- Ding.

Ich schätze, diese alten Männer mit ihren eleganten Strohhüten und halb offenen Leinenhemden, die in ihren Oldtimern durch die Gegend cruisen, fühlen sich ähnlich. Sie fühlen diese Retro-Stimmung und träumen von guten alten Zeiten mit einer Grace Kelly auf dem Beifahrersitz auf dem Weg zum Picknick unter Weiden. (daaaa! die Romantikerin in mir, hohooo)

 

Es ist der stylischte Weg zur Nachhaltigkeit

Wenn man keine brandneuen Sachen kaufen muss und coole Klamotten hat, ohne dabei Kinderarbeit (oder schlechte Arbeitsbedingungen für die Näher generell) zu unterstützen. Besser gehts kaum! Nachhaltigkeit und Konsum mit Verstand sind noch andere große Vorteile für den Kauf von secondhand.

 

Du bist individuell.

Man wird kaum jemanden finden, der dassselbe trägt. Ich persönlich finde auch in den meistens Läden nicht sonderlich viel was mich sooo krass anspricht. Das ist wahrscheinlich der größte Grund, warum ich meistens nur in Secondhand Shops oder auf Flöhmärkten kaufe…

 

Der Preis für all den Zauber

Der Kauf von vintage hat natürlich diesen einen, großen Nachteil: Es kostet verdammt viel Zeit. Wie viele Flohmärkte habe ich schon besucht. Erfolglos. Wie viele Berge an Oma Schlüppern ich durchgewühlt hab. (zu) Viele. (ok, vielleicht keine Schlüpper, aber glaubt mir manchmal ist es einfach nur ekelhaft.)

Es ist Arbeit. Und für mich ist es das sowas von wert! Es ist ein Hobby!

 

 

ein echt süßer und noch recht ursprünglicher vintage laden: LaCola in nürnberg (lomplettlook)

 

Und jetzt zu meinem Groll

Klar, dass diese einst kleine Nische irgendwann mega hip wird. Und ich hasse es. Versteht mich nicht falsch, ich fände es so so so toll, wenn plötzlich alle als neues Hobby Flohmärkte zu besuchten und Humana oder Oxfam die neuen H&M und Zara wären. Aber es ist einfach nicht so. Secondhand hat sich verändert. Es wurde zu ‚vintage‘. (wobei ich zugeben muss, dass vintage wirklich 1000x besser klingt als secondhand…)

Der Hype hat es sooo schwer gemacht, „echten vintage“ zu finden. Neue Second-Hand-Läden sind meistens seeeehr trendy und seeeehr teuer (es ist vintage, girl, dieses Stück hat Geschichte! Das hat halt seinen Preis…) Es scheint fast unmöglich, noch vintage Schnäppchen zu schlagen 🙁 (eher im Gegenteil)

Auch Marken wie Urban Outfitters haben festgestellt, dass sie für ‚true vintage‘ noch höhere Preise verlangen können als eh schon für ihren üblichen „nur vintage-Style“ stuff. Manchmal kann man sogar noch das alte 1 $ Preisschild von einem amerikanischen thrift shop neben dem 45 € Preisschild von Urban sehen. (dieses Beispiel ist für ein Shirt btw…) Und beim Verschiffen vom einen Kontinent zu anderen gehen die ganzen Nachhaltigkeits & Umweltsaspekte auch verloren. Doch der hohe Preis wird gezahlt, nur für den bloßen Schein, sich durch Wühlkisten und alte Dachböden gewühlt zu haben.

Ich hasse was „vintage“ geworden ist. Einfach ein Wort, was bei Urban Outfitters & Co die Kassen klingeln lässt. Eine geile Sache die an Profit-Geilheit verloren geht.

 

Aber wisst ihr was? Man kann niemals die Freude verkaufen, wenn man dieses perfekte 50s Blumenkleid nach langer Suche in den Händen hält. Und die alte Dame, die von ihrem ersten Date erzählt bei dem sie das Kleid getragen hat. Und mein großes Lächeln, als sie einen fragt, ob 5 € dafür ‚in Ordnung‘ seien.



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